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Die Texte sind zum Teil in Printmedien veröffentlicht. Einige Texte waren bereits auf einem anderen Blog (existenzielle – das Online-Magazin für Frauen in der Wirtschaft) veröffentlicht.

Ist Ihre Einkommensteuererklärung schon fertig?

- erschienen im Eifel-Magazin, Mai 2016, Nr. 205/18. Jg -

Der Wonnemonat Mai steht vor der Tür. Für viele von Ihnen steht die Einkommensteuererklärung an. Wer eine Einkommensteuererklärung für 2015 abgeben muss, hat – sofern Sie nicht steuerlich vertreten werden – bis zum 31.05.206 Zeit. In begründeten Fällen können Sie beim Finanzamt eine Fristverlängerung bis zum 30.09.2016 beantragen.

Wer die Steuerklassen I und IV (ohne Faktor) und keine weiteren Einkünfte oder Entgeltersatzleitungen über 410 € erzielt hat, kann eine Einkommensteuererklärung abgeben und hat dafür 4 Jahre Zeit. Für das Jahr 2012 läuft die Frist am 31.12.2016 aus. Die Antragsveranlagung kann sich für diejenigen lohnen, die sich im Übergang von Studium zum Beruf befunden haben. Jedwede Ausnahme oder Besonderheit kann allerdings zur Abgabepflicht führen (z.B. Arbeitslosengeld).
In vielen anderen Fällen muss eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Das trifft für die mit der Lohnsteuerkombination III/V oder IV/IV (mit Faktor) oder VI, bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung oder für Ehegatten- und Verpartnertenunterhalt zu.

RentnerInnen: Nicht nur die Altersrente, sondern auch Witwenrenten, Versorgungsbezüge, Erwerbsminderungsrenten sind einkommensteuerpflichtig. Renten werden zurzeit noch nicht voll besteuert. Das Renteneintrittsjahr bestimmt, wieviel als Einkommen gerechnet wird. Wer ab dem Jahr 2005 Rente bezog, ist der Anteil 50%. Wer im Jahr 2015 in Rente ging, versteuert 70% der (Alters)Rente. Bei manch anderen Renten, wird lediglich der Ertragsanteil besteuert.

Wer voraussichtlich mit dem zu versteuernden Einkommen unter dem Einkommensteuer-Freibetrag von 8.472 € für Ledige oder 16.944 € für Verheiratete oder Verpartnerte liegen wird, kann – sofern Kapitaleinkünfte vorhanden sind – eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Diese gilt für 3 Jahre und kann mit neuem Antrag verlängert werden. Andernfalls können Sie einen Antrag beim zuständigen Finanzamt stellen, um von der Abgabepflicht befreit zu werden.

Gewerbetreibende und Selbständige müssen Ihre Einkommensteuererklärung elektronisch einreichen. Gewerbetreibend sind auch diejenigen, die an einer Gesellschaft beteiligt sind und denen Gewinne oder (meist) Verluste aus dieser Gesellschaft/Beteiligung zugewiesen werden. Gewerbetreibende müssen auch ihre Gewerbesteuererklärung abgeben. Bitte denken Sie auch an die Umsatzsteuererklärung. Sind Sie KleinunternehmerIn, prüfen Sie unbedingt, ob Ihre umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen/Umsätze im Jahr 2015 tatsächlich unter 17.500 € lagen. Wenn das nicht der Fall ist, dann sind Sie ab 2016 umsatzsteuerpflichtig.

Eine Einkommensteuererklärung muss abgeben, wer mehr als 410 € Entgeltersatzleistungen erhalten hat. Dazu zählen vor allem Arbeitslosengeld, Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Sollten Sie es verpassen, wird das Finanzamt sie dazu auffordern. Die Daten werden durch die entsprechenden Träger elektronisch an das Finanzamt übermittelt. Auch wenn diese Entgeltersatzleistungen einkommensteuerfrei sind, so erhöhen sie den Steuersatz, zu dem Sie Ihr Einkommen versteuern müssen (Progressionsvorbehalt).

Wer wissen möchte, was das Finanzamt schon von Ihnen weiß, kann die 'Vorausgefüllte Steuererklärung' (VaSt) nutzen und sich dafür elektronisch im Elsteronline-Portal registrieren.
Sollten Sie professionelle Hilfe benötigen, steht Ihnen die Steuerberaterin oder der Steuerberater Ihres Vertrauens zur Seite.
 

Geschenkt! (Satire über die Leichtigkeit von Witz und Wahnsinn)

- erschienen in: existenzielle, 11/2014 -

Weihnachten steht vor der Tür und damit die Zeit der Geschenke und Aufmerksamkeiten. Die Lieben beschenken, aber auch die KundInnen und GeschäftspartnerInnen. Dazu eine kleine Geschichte aus der Praxis. Die Geschenke (laut Gesetz = Zuwendungen) – sind beliebig austauschbar:

Auf dem Tisch der Steuerberaterin stehen neben der Lesebrille Kugelschreiber für die werte Kundin, die beherzt zugreift, weil sie keinen Stift dabei hat. Dazu bekommt sie folgenden Text:

„Was Sie in den Händen halten, ist ein Geschenk. Natürlich nicht ganz unabsichtlich, denn ich habe mir erlaubt, meinen Namen und meine Telefonnummer aufzudrucken. Damit Sie hin und wieder an mich denken oder gar, wenn Sie sich den Kuli klauen lassen. Dann ruft mich eben der Dieb oder die Diebin an. Genau, es ist - so gesehen - ein Streuwerbeartikel. Ihnen nutzt er, weil Sie damit wirklich gut schreiben können und er auch schön in der Hand liegt. Mir nutzt er, weil Sie an mich denken und bald wieder gern anrufen werden.

Das deutsche Steuerrecht sagt aber auch, dass diese Zuwendung an Sie einkommensteuerpflichtig ist. Aber nur, wenn Sie den Kuli zusätzlich zu meiner Leistung (Steuererklärung) im Rahmen Ihrer Einkünfte erhalten haben. Präziser: Wenn Sie diesen Kugelschreiber im Rahmen ihrer Gewinneinkünfte erhalten haben. Also im Rahmen Ihrer landwirtschaftlichen, freiberuflichen, sonstigen selbständigen oder gewerblichen Tätigkeit. Angestellt sind Sie bei mir ja nicht. Dann wäre das eine klare Sache. Steuerrechtlich und steuererhebungsmäßig. Da Sie meine Kundin sind, müssen wir diesen Stift versteuern. Dabei können wir uns entscheiden, ob Sie den Stift versteuern oder ich pauschal für diesen Stift Steuern zahle. 30% wohlgemerkt.

Sagen wir: Sie versteuern! Dazu müssten Sie wissen, wie viel der Stift gekostet hat. Das möchte ich Ihnen aber nicht so gerne sagen. Es widerspricht unserer Kultur des Schenkens. Außerdem sind Sie wahrscheinlich sowieso schon sauer, dass Sie jetzt noch was zahlen sollen, wenn Sie schon was geschenkt bekommen. Ehrlich gesagt, sind echte Geschenke rar. Oft werden damit nicht definierbare oder benannte Erwartungen verbunden. Insofern sind 30% doch mal eine klare Ansage! So viel verrate ich Ihnen. Die Chose hat unter 10 € gekostet (inklusive der Vorsteuer). Mir vergeht gerade der Spaß am Schenken und Werben. Aber Sie haben die Finanzverwaltung an Ihrer Seite. Die sagt: „Geschenke und Streuwerbeartikel unter 10 € bleiben bei der Steuererhebung außen vor.“ Dann meldet sich unser kluger Bundesfinanzhof (BFH) zu Wort und sagt: „Das steht nicht im Gesetz!“ Das hat er zwar um Nebensatz gesagt, aber trotzdem stehen Sie jetzt da und fragen sich: Muss ich jetzt 30% oder nicht? Und habe ich den Kugelschreiber im Rahmen meiner freiberuflichen Einkünfte (wenn Sie damit die Buchführung schreiben) oder eben nicht im Rahmen der Gewinneinkünfte (Sie füllen die Anlage V aus oder schreiben Ihrer Freundin). Sie wenden sich vertrauensvoll an mich, denn ich bin hier die Fachkraft und außerdem könnte ich ja schließlich die Sache mit den 30% erledigen.

Sagen wir: Ich versteuere Ihren Kuli. Klar, ist ja auch viel besser, dann muss ich Ihnen nicht sagen, dass der Kuli zwei Euro gekostet hat. Ich bin zwar gerade ganz meschugge, weil ich ja erst einmal die ganzen Tatbestandsmerkmale dieses Lebenssachverhaltes ermitteln muss, dann die gesamte Sekundärliteratur zum § 37b EStG lese, dann scharf nachdenke, wie der Kuli richtig versteuert wird. Wahrscheinlich muss ich dann auch noch aufteilen, weil ich für Sie nicht nur die Einnahmenüberschussrechnung (Gewinneinkünfte!) erstellt habe, sondern auch Ihre Einkommensteuererklärung (privat).

Ich hab da aber noch ne Frage an Sie: Verwenden Sie den Kuli im Rahmen Ihrer Gewinneinkünfte, Ihrer sonstigen Einkünfte oder schreiben Sie damit private Einkaufszettel? Sie können ihn auch Ihrer Tochter (steuerfrei!) weiterschenken. Ihre Tochter ist Privatsache. Und können Sie mir das bitte schriftlich geben? Ok, dann muss ich wohl doch keine 30%. Je nachdem, wem ich nun Glauben schenken möchte. Mal schützt mich die Finanzverwaltung, mal der gute BFH vom VI. Senat. Wenn ich nicht alles richtig mache, aber mein Risiko minimiere, ungewollt Steuern zu sparen (ja, es gibt nicht nur ungewollte Schwangerschaften), dann überweise ich dem Finanzamt jetzt einfach ihre 0,60 € und fülle vorher noch die Lohnsteueranmeldung aus, die ich elektronisch übermittle.

Hauptsache, die kommen nicht nächsten Monat und wollen dann 0,60 € für die Kulis, die ich letzte Woche bedenkenlos an eine Schar mir völlig fremder Menschen verteilt habe. Klar, haben die auch so einen Text bekommen. So wie Sie jetzt, nur individuell zugeschnitten auf den Fall, dass sie eben (noch) nicht meine Kundinnen sind und das möglichst erst nach Ablauf einer Frist von (wo ist das eigentlich geregelt?), damit das ja nicht im Zusammenhang mit einer Leistung von mir steht und ich nicht klären muss, ob jetzt 30% oder nicht. Ich sollte Rückantwortkarten dranhängen, damit ich erfahre, was die Leute tun. Interessiert mich nicht. Ist nur für das Finanzamt.

Oder ich sollte lernen, die Welt endlich mal mit anderen Augen zu sehen, wenn ich als Nicht-Kundin am Gewinnspiel einer namhaften Firma teilnehme, friedvoll meine Adresse hinterlasse und versuche, die richtige Antwort zu erraten.

Ich entwickle ein Quiz: Wenn Sie alle Fragen falsch beantworten, können Sie einen Kuli gewinnen. Das ist auch gar nicht schwer und meine Leistung brauchen Sie dann erst recht. Erst einmal die Telefonnummer. Aber wir sparen die 30% und den Vortext und die Klärung der Frage, wer von uns beiden nun versteuert. Außerdem macht so ein Quiz auch noch sehr viel mehr Spaß.Aber sagen Sie, waren wir nicht letztens zusammen essen und haben Sie mir da nicht etwas zugewendet und es in Ihre Betriebsausgaben genommen? Soll ich versteuern oder Sie? Die Klärung dieser Frage sollte uns in Fleisch und Blut übergehen wie „Bar oder mit Karte?“

Bis dahin verbleibe ich ungewollt steuerzahlend
Ihre Franziska Bessau

Zum Weiterlesen:
§ 37b EStG
BFH Urteil VI R 57/11 v 16.10.2013
BFH Urteil VI R 78/11 v 16.10.2013
BFH Urteil VI R 52/11 v 16.10.2013
BMF v. 29.04.2008 (BStbl 2008I S. 566)
 

Frische Vorsätze gefasst? Mit der Steuer soll diesmal alles besser werden.

- erschienen in: existenzielle, 01/2014 - geändert Okt. 2016

Das alte Jahr ist vergangen, alles ist aufgeräumt und das neue Jahr beginnt bei den meisten mit guten Vorsätzen. Was bisher nicht so gut lief, soll besser werden. Oft auch die Sache mit den Belegen, der Buchführung und den Steuern. Leidiges Thema? Nix wie ran.
Oft fehlt der Plan, eine Idee, wie es besser laufen könnte. Den Berg liegen zu lassen macht ihn am Ende größer und die Motivation sinkt rapide in den Keller und das Jahr ist auch schon wieder um. Ist Ihnen bekannt?

Wenn die Steuernachzahlung Sie erschreckt und Sie ungeplant viel Geld auf den Tisch legen müssen, dann fällt das den meisten sehr schwer und regt auch so manchen Groll. Das Finanzamt, die Steuerberaterin, Sie, die… Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Wenn Sie nicht so sehr überrascht werden wollen, dann sind Planung und Kontrolle gute Ratgeberinnen. Die verstrichene Zeit zwischen einer Zahlung und der Buchführung spielt eine große Rolle. Ist der Zeitraum relativ gering und findet im nächsten Monat statt, dann sind Sie voll auf dem Laufenden. Einmal im Quartal, einmal im halben Jahr: Es kommt auch darauf an, wie umfangreich Ihr Umsatz und Belegaufkommen ist.
Wenn Sie die Buchführung bzw. einen Überblick gegen Ende des Folgejahr anstreben, dann ist Reagieren, Planen und Beraten schwierig bis unmöglich. Es gibt Fälle, da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen und es wird nur noch teurer.

Falls Sie für 2017 den Vorsatz gefasst haben, dass alles anders wird, wie wäre es dann mit diesem Menü?

Wenn Sie nicht umsatzsteuerpflichtig sind, fangen Sie an, sich selbst die Termine zu setzen und halten Sie sich daran. Wenn Sie die Buchführung machen lassen, dann fragen Sie bei ihrer Steuerberaterin ruhig nach, ob sie die Belege auch monatlich oder im Quartal einreichen können. Halten Sie sich auch daran.

Alles beginnt bei einer gut organisierten Belegablage, die nicht Schuhkarton, Schublade oder Prospekthülle heißt. Bezahlte Rechnungen, Quittungen und Belege kommen in den Ordner. Zeitnahes Lochen und Abheften lautet die fast zu schlichte Regel. In welcher Reihenfolge richtet sich nach der Art der Buchführung.
So ist es zum Jahresende hin recht einfach, den ungefähren Gewinn abzuschätzen und zu wissen, wird es mehr mit der Steuer oder weniger als im Vorjahr.
Dann können Sie am Anfang des neuen Jahres die Unterlagen für die Einkommensteuer fertig machen. Manche Institutionen verschicken Bescheinigungen diversester Art, die bis Ende Februar oder Ende März bei Ihnen sein sollten. Wenn Sie die Einkommensteuererklärung selbst machen oder sie abgeben; sie kann in jedem Fall erstellt werden. Wann Sie sie abgeben oder abgeben lassen, obliegt Ihnen bzw. sollten Sie mit ihrer Steuerberaterin besprechen.

Die allgemeine Frist für die Abgabe der Einkommensteuerklärung für 2016 ist der 31.05.2017. Sollten Sie es nicht schaffen, können Sie formlos aber möglichst begründet eine Fristverlängerung bis zum 30.09.2017 beantragen. Die allgemeine Frist für die Abgabe durch eine Steuerberaterin ist der 31.12.2017. Damit Sie auch dort nicht die letzte sind und am Ende des Jahres unter den Tisch fallen, sollten Sie auch dort Ihre Unterlagen so zeitig wie möglich abgeben.

Wenn Sie als Selbständige große Nachzahlungen für das Vorjahr haben, dann steigen die Vorauszahlungen für das laufende Jahr bereits mit. Das führt oft zu einer "Verdopplung" der Summe, die Sie in kurzer Zeit parat haben müssen. Sofern Sie im laufenden Jahr sehen, dass Ihr Gewinn sehr viel höher oder niedriger ist als im Vorjahr, dann können Sie die Vorauszahlungen jederzeit anpassen lassen oder Sie bilden genügend Rücklagen. Das reduziert den Schreck am Ende ungemein.

Wir müssen alle Steuern zahlen. Und wir müssen umso mehr Steuern zahlen, je höher unser Einkommen ist. Das ist unausweichlich. Weniger zu verdienen, um weniger Steuern zahlen zu müssen, das geht von Ihrem Speiseplan ab. Finden Sie sich also damit ab, für den Staat und die Gemeinschaft etwas abzugeben. Der Rest des Mehr-Erarbeiteten bleibt bei Ihnen.
So bleiben Ihre guten Vorsätze nicht auf der Strecke und am Ende macht es Ihnen sogar ein bisschen Spaß und Sie können es kaum erwarten, Ihren Gewinn auszurechnen???

Weitere Zaubereien dieser Art finden Sie nicht nur in meinem Buch, sondern auch in den praxisnahen Buchführungsseminaren http://www.steuerberaterinnenbuero.de/seminare.html.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und einen gelungenen Start in das Buchführungsjahr 2014.
Ihre Franziska Bessau

Wie lange dauert eine durchschnittliche Ewigkeit?

- erschienen in: existenzielle, 06/2013 -

Viele kennen das: Frau hat sich durch die Einkommensteuererklärung gewühlt, alle Angaben, Belege zusammengetragen und das Formular nach besten Wissen und Gewissen ausgefüllt. Dann das Werk zusammengeheftet und mit einem erleichternden Seufzer beim Finanzamt eingeworfen.

Dann sind die Konsequenzen aus den Augen und aus dem Sinn und Sie vergessen es für einen bis zwei Monate. Dann kommt der erste Gedanke und Sie erinnern sich an diese unliebsame Aufgabe, die Sie nun ja mit Bravour absolviert haben und langsam stellt sich das Bedürfnis nach dem Erfolg ein: Der Steuerbescheid soll kommen. Sie nehmen die Finger in die Hand und zählen vom heutigen Tag an rückwärts. Sie denken, 4 Wochen sollten doch reichen, damit Ihre Erklärung bearbeitet wird. Vielleicht steht Ihnen die Krankenkasse auch schon auf den Füßen?

Im Finanzamt hat man ja aber andere Sorgen und Nöte (und wahrscheinlich zu viele Fälle) und ja, so ein Einkommensteuerbescheid ist auch immer eine Einzelentscheidung. Manchmal steht man im Regen und hat so gar keinen Anhaltspunkt. Manchmal wird frau darum gebeten, von jedweden Nachfragen abzusehen – ist ja klar, das verkürzt die Bearbeitungszeit und um so eher haben Sie Ihren Bescheid. Als Steuerberaterin antworte ich – ich weiß allerdings auch nicht, wie lange die Bearbeitungszeit dauert – und greife auf meinen Erfahrungsschatz zurück: "Noch keine 3 Monate? Das ist durchaus normal und kein Grund zur Aufregung. Länger als 3 Monate? 6 Monate? Dann kann frau beim Finanzamt schon mal nachfragen."

Heute, heute da hab ich mal wieder bei einem Finanzamt angerufen. Es war wegen dienstlicher Gründe nicht zu erreichen. Allerdings wies eine freundliche Stimme auf dem Anrufbeantworter darauf hin, dass morgen wieder aller erreichbar wären. Und es kam ein sehr wertvoller Hinweis: "Die Bearbeitungszeit für Ihre Steuererklärung beträgt durchschnittlich je nach Ihrem Fall 3 Wochen bis 6 Monate." Ja, das war doch mal eine Aussage! Genauso wie ich mich freute, endlich mal eine präzise Antwort auf ein langgehegtes Geheimnis zu erhalten, so tauchten gleichzeitig neue Fragen auf. Was heißt eigentlich Durchschnitt? Ist Durchschnitt eine Zahl? Und wenn es 2 Zahlen sind, sollte dann der Unterschied zwischen den Zahlen nicht wenigstens gering sein? "3 bis 6 Wochen" halte ich für einen akzeptablen Durchschnittswert für einen Durchschnitt, nicht unbedingt für die Bearbeitungszeit. "3 Wochen bis 6 Monate" bedeutet ungefähr: "Zwischen gleich und einer Ewigkeit". Dass ein Steuerbescheid kürzer als 3 Wochen braucht, ist kaum anzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch 9 Monate dauern kann oder - ich will es nicht hoffen – 12 Monate, ist bei einer Durchschnittsangabe durchaus möglich.

Während mein Kopf arbeitet, gelange ich schlicht zu der Erkenntnis: Wie lange die Bearbeitungszeit dauert, weiß letztendlich niemand. So heißt es weiterhin geduldig abwarten oder dann doch mal nachfragen.
Natürlich gibt es auch im Hintergrund Mechanismen, die am Werke sind und manchmal ist es gut, diese in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Zum einen gibt es ein automatisiertes System, das Risikomanagementsystem (RMS). Alle Erklärungen, die unauffällig sind, bekommen quasi grünes Licht und werden direkt mit einem Steuerbescheid bearbeitet. Das dürften die elektronisch eingereichten Erklärungen sein, die 3 Wochen dauern. Unauffällig ist ein Fall, wenn die Angaben so etwa denen im Vorjahr entsprechen, es keine größeren zahlenmäßigen Abweichungen und keinen neuen "kritischen" Tatsachen gibt. Kritisch sind die Klassiker wie z.B. Häusliches Arbeitszimmer, Kfz, Abschreibungen.
Wenn ein Fall für das RMS "auffällig" ist, dann wird dieser Fall rausgeholt und kommt zu einem Menschen im Finanzamt zur weiteren Bearbeitung auf den Tisch. Ich denke, hier fängt dann der Durchschnitt an, der länger als drei Wochen dauert.

Ein anderer Grund liegt kann sein, dass die Bearbeiterin/ der Bearbeiter wechselt. Neben der/dem Neuen wächst der Berg der unbearbeiteten Fälle und da habe ich es auch schon erlebt, dass das 6 Monate gedauert hat. Es wurde vielleicht schneller bearbeitet, weil die Mandantin nachgefragt hat. Aber wissen, tun wir das mal wieder nicht. Wenn ich mit meinem Beitrag fertig bin, werde ich meine rechte Hand nehmen und an den Fingern abzählen, wie lange ich schon warte. Wahrscheinlich ist mein Fall schwierig. Mittlerweile gibt es das Urteil vom Bundesverfassungsgericht zur Gleichbehandlung der eingetragenen Lebenspartnerschaften bei der Einkommensteuer. Denn eine Einzelveranlagung wie in den Vorjahren wäre seit dem 06.06.2013 nicht mehr rechtmäßig. Wie in den Vorjahren musste ich meine Steuerklärung einzeln einreichen. Jetzt wird es wieder dauern, bis die Finanzämter eine Anweisung haben, wie sie mit diesen Fällen umgehen. Also heißt es erst einmal abwarten.

In diesem Sinne trinke ich bei Sahara-Temperaturen mit Ihnen einen Eis-Tee
Ihre Franziska Bessau
 

Frühjahrsputz, Knospensprießen und die Steuererklärung abgeben

- erschienen in: existenzielle, 05/2013 -

Endlich ist es Frühling. Raus aus den Häusern, rein ins Vergnügen, in das Licht. Wenn da nicht noch etwas wäre. Ja, unvergessen von denen, die Ihre Einkommensteuererklärung noch nicht abgegeben haben: Für alle, die selbständig sind, endet am 31.05.2013 die Abgabefrist für ihre Einkommensteuer-, Umsatzsteuer- und vielleicht auch Gewerbesteuererklärung für das Jahr 2012.

"WAS?!?" Denken Sie jetzt vielleicht. Bevor Sie in die absolute Panik verfallen: Sie können an das Finanzamt einen formlosen Antrag auf Verlängerung bis zum 30.09.2013 stellen. In der Regel werden Sie darauf auch keine Antwort bekommen, damit ist die Frist verlängert. Es kann allerdings passieren, dass das Finanzamt den Antrag auf Verlängerung ablehnt – was angesichts langer Bearbeitungsfristen bis zu 6 Monaten absurd erscheinen mag. Dann sollten Sie Ihren Antrag begründen: Mit vielen Aufträgen, Krankheit und was Sie sonst an der Einhaltung der Frist 31.05.2013 hindern kann.

Wer von Ihnen durch eine SteuerberaterIn vertreten wird, hat noch länger Zeit. Da endet die allgemeine Abgabefrist erst am 31.12.2013. Aber denken Sie bitte daran: In der Regel sind Sie nicht die einzigen, die Ihre Steuerunterlagen erst spät zusammensammeln und höchstwahrscheinlich liebt Ihre SteuerberaterIn auch die ruhige Zeit zwischen den Jahren, so dass Sie die Unterlagen beizeiten abgeben sollten. Das erleichtert Ihnen letztendlich auch den Überblick über die Steuernachtzahlungen oder –erstattungen.

Wenn Sie freiwillig gesetzlich krankenversichert sind und eventuell auch rentenversichert, dann ist Ihr Einkommensteuerbescheid auch immer die Grundlage für die Anpassung der Beiträge. Werden die Beiträge steigen, weil Ihr Einkommen höher war, dann können Sie mit einer späten Steuererklärung die Beitragszahlungen ein wenig nach hinten verzögern. Wenn Sie ein niedrigeres Einkommen hatten, dann können Sie von den niedrigeren Beiträgen eher profitieren, wenn Sie die Erklärung früh abgegeben haben.

So, jetzt beende ich meinen kleinen aktuellen Happen, denn mir ist gerade aufgefallen, dass für mich die Frist auch am 31.05.2013 endet!
Machen Sie es gut und besser, Ihre Franziska Bessau

PS: Bevor ich hier verschwinde, noch eine Neuigkeit: "Einfache Buchführung für Selbständige – Ein Grundlagenbuch, das Spaß macht" ist soeben erschienen und käuflich!
 

Über den Sinn von Materie - Virtuelle Gedanken einer zynischen Fachkraft zum Jahresende

- erschienen in: existenzielle, 12/2012 -

Was waren das für Zeiten, als es noch die Lohnsteuerkarten gab. Goldene. Die Einführung von ELSTAM dauert bis jetzt 3 Jahre und die Lohnsteuerkarten 2010 gelten immer noch und sogar bis in das Jahr 2013 hinein. Daraus könnten wir den Schluss ziehen, dass es ausreichen würde, Lohnsteuerkarten alle 3 Jahre zu verschicken und alle zwischenzeitlichen Änderungen im Amt vorzunehmen (Ersatzbescheinigungen 20011, 2012 und 2013).
Der materialisierte Vorteil einer Lohnsteuerkarte ist der: Hast Du sie in der Hand, ist die Lohnsteuerklasse relevant, die Du in der Hand hältst. Keine Lohnsteuerkarte in der Hand, heißt: Lohnsteuerklasse sechs. Eine ganz eindeutige Sache: ja oder nein. Die Gemeinde hat einmal im Jahr diese Steuerkarten verschickt.

Jetzt wird es anders. Mit ELSTAM (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale)werden die Lohnsteuerdaten an einem zentralen virtuellen Ort gespeichert, geändert etc, an dem jede/r Arbeitgeber_in sie monatlich abholen darf!
Übersetzt in Materie wäre das folgendes Vorgehen: Ich fahre einmal im Monat (nach dem 5.) zum Finanzamt, gehe da an den Briefkasten, der extra für mich eingerichtet wurde und entnehme die Papiere, wo draufsteht, dass sich die Daten meiner Arbeitnehmer_innen nicht geändert haben. Vielleicht liegen auch nur die Datenblätter derjenigen drin, die sich geändert haben. Nun gut, ich schließe mein Postfach wieder zu und fahre zu meinem Betrieb zurück. Bis zum nächsten Monat.

Das ist aufwendig, denken Sie? Warum das denn jetzt? Nun schaffe ich schon Arbeitsplätze, aber sie zu verwalten kostet, kostet und kostet. Und jetzt passen Sie auf! Jetzt kommt "Marketing" und ich verkaufe Ihnen ELSTAM als einen Fortschritt! Natürlich ist das nicht zumutbar, dass Sie ihre Zeit damit verbringen müssen, monatlich zum Finanzamt zu gehen! Es gibt doch PC's, Programme und das Internet! Wir machen das elektronisch! Sie sparen die Fahrtzeit, Sprit und brauchen auch keinen zusätzlichen Schlüssel an Ihren Bund hängen. Und Sie haben auch noch mehr Zeit als vorher, weil wir Ihnen Bürokratie eingespart haben. Sie brauchen nur: Ein ELSTER-Konto und einen Online-Schlüssel. Dann geben Sie die Daten Ihrer Angestellten ein und wenn diese mit unseren Daten übereinstimmen, bestätigen wir das gern und Sie dürfen ab dann jeden Monat hier bei uns im ELSTER-Online-Portal in Ihrem Briefkasten vorbeischauen (aber nur zwischen dem 5. und 25. sagen wir mal), damit wir Ihnen die Änderungen mitteilen können. Sie dürfen aber nicht alle Ihre MitarbeiterInnen bei uns anmelden. Ha, ha. Nämlich nur die, die in einem Hauptarbeitsverhältnis stehen. Ok. Was ist jetzt aber bitte ein "Hauptarbeitsverhältnis"? Jenes, wo die Arbeitnehmerin das meiste Geld mit verdient? Das, womit sie überhaupt sehr viel Arbeit hat (Ich denke da an Kinder, Küche, Haushalt….)? Überweist den Müttern der Nation auf Lohnsteuerklasse 3 für ihr Hauptarbeitsverhältnis 3.000 € direkt aus Steuermitteln (herzliche Grüße an Christina Schröder). Zurück zum Thema: Alle Arbeitnehmer_innen mit Lohnsteuerklasse sechs und alle Mini-jobber_innen dürfen gar nicht angemeldet werden! Also selbst die materiell eine Lohnsteuerkarte in der Hand hielten mit der Nummer "sechs", haben jetzt faktisch keine "Steuerkarte" mehr, sie sind auch elektronisch nicht sichtbar. Das kann nicht stimmen? Hm, ja, vielleicht. Die Macher von ELSTAM werden das vielleicht noch herausfinden.

Bis dahin werden Sie und ich herausfinden, wie das real gehen soll. Dafür hat man uns ganz kulant einen Einstiegszeitraum von einem Jahr gegeben. Aber einmal erfolgreich eingestiegen, ist eingestiegen und Sie können nicht mehr auf Materie zurückkehren (Sie erinnern sich: Lohnsteuerkarte oder Ersatzbescheinigung).

Ganz so schlimm wird es nicht kommen. Selbst Lohnprogrammhersteller richten sich für die Masse (der ArbeitgeberInnen!) auf das zweite Halbjahr ein. Und natürlich können Sie sich auch einfach ein Lohnprogramm anschaffe, das die ganze manuelle Arbeit übernimmt. Außer das ELSTER-Konto und das Zertifikat, da müssen Sie sich noch allein hinwursteln.

Für diejenigen, die miteinander verpartnert sind und die die Steuerklassen III / V vorläufig bewilligt bekommen haben, müssen dies für 2013 neu beantragen und sich für ELSTAM einen Sperrvermerk setzen lassen. Sie erhalten eine sogenannte "Besondere Bescheinigung", die der Arbeitgeber_in für den Lohnsteuerabzug vorgelegt werden muss. Dies ist beim zuständigen Finanzamt zu beantragen und wer es im Dezember nicht mehr schafft, kann das im Januar noch nachholen.

Aber jetzt noch was anderes Praktisches und Materielles! Welche hat nicht schon die Tücken der EDV kennen gelernt? Festplatte abgestürzt, als das Manuskript fast fertig war? Die letzte Datensicherung liegt ein halbes Jahr zurück? Denken Sie auch in guten Zeiten: "Ich hab doch alles im Computer. Meine Rechnungen muss ich doch nicht auch noch ausdrucken." Und doch: Vertrauen Sie der Materie. Mehr als dem elektronischen, virtuellen, flüchtigen.. Im Sinne der Belegsicherung (Sie wissen: Keine Buchung ohne Beleg!): Drucken Sie alle Rechnungen aus! Nur die Rechnungen sind Ihre Belege. Der Kontoauszug stellt lediglich einen Zahlungsbeweis dar. Ob die des Mobilfunkanbieters (Manche Anbieter speichern sie im Internet nur ca: 6 Monate) oder die Rechnung, die Sie im Original an Ihre Kundschaft geschickt haben oder meinetwegen als PDF-Anhang in einer Mail: Drucken, Drucken, Drucken Sie. Jetzt könnten Sie das ökologische Bewusstsein in die Waagschale werfen. Ja, sag ich Ihnen. Seien Sie öklogisch. Fragen Sie sich, wo es sinnvoll ist. Angesichts der doch sehr verbreiteten Angst vor dem Finanzamt und der Sorglosigkeit über die Sicherheit unserer Daten tun Sie sich Gutes, wenn Sie Ihre Belege materialisieren. Wenn der Computer abstürzt oder eine Betriebsprüfung ins Haus steht, dann ist das immer noch schlimm. Aber Materie macht dann wirklich Sinn.

Das Jahresende ist eine sehr materiell geprägte Zeit, in der Geschenke besorgt, hergestellt und liebevoll verteilt werden. Gönnen Sie sich doch was ganz immaterielles: Eine besinnliche, ruhige, kulturvolle, gesellschaftliche Zeit. Das macht auch Sinn.

In diesem Sinne alles Gute und einen guten Rutsch ins Jahr 2013.
Ihre Franziska Bessau
 

Neulich im Finanzamt…

- erschienen in: existenzielle, 09/2012 -

Es gibt sie. Finanzbeamte, die Fehler machen. Haben Sie schon mal in Ihrem Finanzamt angerufen und wurden gefragt, ob sie - die/der Finanzbeamte - schon wieder etwas falsch gemacht hätte? Mit dieser schonungslosen Offenheit? Sie würden direkt wieder auflegen, weil Sie glauben, Sie hätten sich verwählt? Es gibt sie wirklich. Die Fehler, die entstehen, weil im Finanzamt Menschen arbeiten. Mehr und mehr arbeiten im Finanzamt aber auch Maschinen: Computer, Software, Scanner, Datenschnittstellen… Ja, und die machen auch Fehler. Viele Fehler und mehr Fehler, als Sie glauben wollen.

Scanfehler
Belege, die Sie im Original an das Finanzamt schicken, werden dort eingescannt und später werden nur noch die Daten gelesen und verarbeitet. Es können Spendenbescheinigungen sein oder auch Steuerbescheinigungen über Ihre Kapitaleinkünfte. Es passiert nicht zu selten, dass der Scanner mehrere Blätter einzieht und nur das oberste scannt. Die anderen Belege fallen dann erst einmal unter den Tisch und werden nicht verarbeitet. Und schon halten Sie am Ende einen falschen Steuerbescheid in den Händen, meistens mit dem Ergebnis, dass Sie mehr Steuern zahlen, als Sie müssten, wäre der Fehler nicht aufgetreten.

Datenübermittlungsfehler
Viele Institutionen übermitteln die steuerlich relevanten Daten elektronisch an das Finanzamt. ArbeitgeberInnen übermitteln die Lohnsteuerbescheinigungen ihrer Angestellten. Die Deutsche Rentenversicherung teilt die Rentenbezüge dem Finanzamt elektronisch mit. Die Krankenkassen teilen dem Finanzamt elektronisch mit, wie viel Krankenkassenbeiträge Sie gezahlt haben. Die Krux ist, dass diese Daten oft nicht beim Finanzamt ankommen bzw. nicht zugeordnet werden können. Jetzt müsste das Finanzamt wieder auf Ihre Daten (Papier!), die Sie mit der Steuererklärung einreichen, zurückgreifen. Es kann vorkommen, dass dies nicht im ersten Anlauf gelingt und Ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht berücksichtigt werden. Übrigens müssen Sie in diese Datenübermittlung einwilligen, damit das Finanzamt diese Kosten auch in voller Höhe (ca. 96% bzw. Basisabsicherung) anerkennt. Auch, wenn die Datenübermittlung nicht funktioniert, werden Ihre Kosten dennoch so berücksichtigt, als hätten Sie eingewilligt und als hätte das Finanzamt die Daten elektronisch von Ihrer Krankenversicherung erhalten.

Softwarefehler
Ein typischer Softwarefehler könnte vorliegen, wenn Sie einen Brief vom Finanzamt bekommen, den Sie völlig absurd finden. Z.B. haben Sie sich ausgerechnet, dass Sie ab diesem Jahr Ihre Umsatzsteuervoranmeldungen quartalsweise abzugeben haben. Das Finanzamt schreibt Ihnen, Sie müssten das monatlich tun, weil Sie als ExistenzgründerIn in den ihren ersten zwei Jahren zur monatsweisen Abgabe verpflichtet sind. Sie müssen sich jetzt nicht in Ihr vermeintliches Schicksal fügen. Wenn Sie schon länger selbständig waren – z.B. teilzeitselbständig neben dem Job oder neben der Arbeitslosigkeit – und Sie mit dem Gründungszuschuss der Arbeitsagentur in die volle Selbständigkeit gegangen sind, dann kann es sein, dass das Finanzamt ein oder zwei extra Häkchen erst zu diesem Zeitpunkt in ihr Softwaresystem eingegeben hat. Damit sind Sie erst ab diesem Zeitpunkt als Unternehmerin registriert oder besser ausgedrückt: angehakt. Das Datum und das Häkchen sorgen dafür, dass Sie den für Sie unerfreulichen Brief bekommen.

Was Sie tun können: Steuerbescheide immer prüfen. Wenn Sie mit einem EDV-Programm arbeiten, dann können Sie sich den voraussichtlichen Steuerbescheid ausdrucken und dann Ihre Zahlen und die Finanzamts-Zahlen überprüfen.

Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen, aber zweifeln Sie auch nicht alles an.
Wenn Sie glauben, dass etwas nicht stimmen könnte, dann lohnt sich ein Blick in die gesetzlichen Grundlagen oder auch die Frage danach.

Rufen Sie einfach in Ihrem Finanzamt an, diese Fehler lassen sich meist problemlos klären. Und wenn Sie so freundliche, offene BearbeiterInnen antreffen, werden Sie bald Ihre Scheu vor dem Finanzamt verlieren.

Zu guter Letzt: Unser Steuerrecht ist so kompliziert, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, ohne Fehler durch das System zu kommen. Es ist normal und gehört zum allgemeinen Lebensrisiko, dass Sie Fehler in der Buchhaltung, im Fahrtenbuch und in den steuerlichen Angaben und Bewertungen machen. Unser Steuerrecht ist so kompliziert, dass auch BearbeiterInnen im Finanzamt Fehler machen. Das ist beruhigend für uns alle. Seit immer mehr Datentechnik in dieses komplizierte System eingeführt wird, werden Fehler quasi produziert. Dann wundern Sie sich bei Ihrem nächsten Anruf im Finanzamt nicht, wenn die/der Finanzbeamte Fehler von sich aus anspricht.

Ihre Franziska Bessau
 

Der große Datenkrake…

- erschienen in: existenzielle, 12/2011 -

Sie erinnern sich an ELENA? ELENA musste im Sommer 2011 wieder gehen: Zu viele unnütze Daten. ELENA hat allein den Staat 11 Millionen € gekostet. Wie viel es Sie als Arbeitgeberin gekostet hat, hat niemand beziffert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die skeptische ArbeitgeberIn Ausdrucke oder Daten angefertigt und archiviert hat, um im Zweifel nachzuweisen, was gemeldet wurde. Offiziell durfte sie diese Daten in 2 Jahren wieder löschen oder das Papier vernichten.

Ab Januar 2012 sollte nun der kleine Bruder von ELENA kommen: ELSTAM. Elektronische SteuerAbzugsMerkmale. Sie können sich sicher erinnern, dass die Lohnsteuerkarte 2010 die letzte war, die Sie anzufassen bekommen haben und die auch 2011 ihre Gültigkeit behalten hat.

Da es zu "unerwarteten technischen Schwierigkeiten" gekommen ist, wurde das ganze Projekt um ein Jahr auf den 01.01.2013 verschoben. So weit so gut. Da aber auch in 2012 die Lohnsteuer zuverlässig abgeführt werden soll, hat das Bundesfinanzministerium den liebevoll genannten "Nikolaus-Erlass" (BMF v. 06.12.2011) geschrieben. Es gibt eine sehr gut zu verstehende Presseerklärung und ein Schreiben der OFD Karlsruhe (http://www.ofd-karlsruhe.de/servlet/PB/menu/1198920/index.html).

Das heißt: Die Lohnsteuerkarten 2010 gelten auch für 2012 weiter, sofern keine Ersatzbescheinigung für 2011 vorliegt. Die neue ELSTAM-Mitteilung gilt nur, wenn auch die Lohnsteuerkarte 2010 oder die Ersatzbescheinigung 2011 vorliegt. Wer nichts von alledem besitzt, kann eine Ersatzbescheinigung 2012 beim zuständigen Finanzamt beantragen.
Alle ArbeitgeberInnen dürfen die Lohnsteuerkarten 2010 und die Ersatzbescheinigungen 2011 nicht an ihre Angestellten zurückgeben (außer an die, die nicht mehr beschäftigt werden).

Wenn die Lohnsteuerkarte 2013 elektronisch werden soll, wird es für Sie als ArbeitgeberIn aufwendiger und teurer – falls dieser Job Ihre SteuerberaterIn erledigt. Ab 2013 müssen Sie die Lohnsteuerdaten Ihrer Angestellten monatlich (!) beim Bundeszentralamt für Steuern elektronisch abrufen. Nix mehr da mit anfassen, lochen, abheften. Damit das wieder nicht alles im elektronischen virtuellen Raum hängen bleibt, werden wir wahrscheinlich die Daten monatlich ausdrucken, lochen, abheften. Wenn wir Glück haben, werden unsere Lohnprogramme das auf der Verdienstbescheinigung vermerken, dass es sich um die gerade abgerufenen Daten handelt.

Warten wir auf das nächste EL…., während wir die Nachwehen von ELENA hinter uns gelassen haben und ELSTAM erwarten.

Ihre Franziska Bessau
 

Steuervereinfachungsgesetz – das Neueste in Kürze

- erschienen in: existenzielle, 10/2011 -

Alles wird einfacher. Auch die Steuer. Endlich, endlich ist es so weit. Seit langem warten wir Jahr für Jahr, dass die Sache mit der Steuer einfacher wird. Ja, und es gibt sie. Die wohlklingenden erhofften Vereinfachungen: Bürokratieabbaugesetz, Steuervereinfachungsgesetz usw. usf. Jahr für Jahr.

Sie finden nicht, dass alles einfacher geworden ist? Damit sind Sie nicht allein. "Alles wird einfacher" ist ein jährliches, sich nicht erfüllendes Mantra für uns SteuerzahlerInnen. Das Bürokratieabbaugesetz aus dem Jahre 2009 (?) sollte den Abbau der Bürokratie in der Finanzverwaltung bewirken. Nicht unbedingt bei Ihnen und mir und den anderen. Sie erinnern sich an ELENA? ELENA musste im Sommer 2011 wieder gehen: Zu viele unnütze Daten, so heißt es in der Begründung.

Ab Januar 2012 kommt nun der kleine Bruder von ELENA: ELSTAM. Elektronische SteuerAbzugsMerkmale. Sie können sich sicher erinnern, dass die Lohnsteuerkarte 2010 die letzte war, die Sie anzufassen bekommen haben und die auch 2011 ihre Gültigkeit behalten hat. Ab 2012 wird alles elektronisch und damit komischerweise für Sie als ArbeitgeberIn aufwendiger und teurer – falls dieser Job Ihre SteuerberaterIn erledigt. Ab 2012 müssen Sie die Lohnsteuerdaten Ihrer Angestellten monatlich (!) beim Bundeszentralamt für Steuern elektronisch abrufen.
Das ist schon längst beschlossene Sache.

Im September 2011 haben wir ein neues Steuervereinfachungsgesetz bekommen, was im gemeinen Sprachgebrauch den Titel "Schäubles kleiner Werkzeugkasten" bekommen hat. Die Vereinfachung wird sich in der Praxis zeigen. Das Wichtigste habe ich für Sie zusammengefasst:

  • Die Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmerinnen ist rückwirkend ab 1.1.2011 von 920 € auf 1.000 € gestiegen.

 

  • Wenn ArbeitnehmerInnen verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, dann brauchen sie das nicht, wenn ihr Jahresarbeitslohn bis 10.200 € (Ledige) oder bis 19.400 € (Verheiratete) liegt.

 

  • Die Kinderbetreuungskosten werden ab 2012 nicht mehr als erwerbsbedingt berücksichtigt. Sie sind wieder private Sonderausgaben und werden bis zu 2/3 bis maximal 4.000 € pro Kind und pro Jahr berücksichtigt. Politisch feministisch links betrachtet, haben wir es mit einem Rückschritt zu tun. Steuerlich werden Kinder wieder zu einer reinen Privatsache. Es gab in der zwischenzeitlichen gesetzlichen Regelung die Anerkennung, dass Kinderbetreuungskosten durch die berufliche Tätigkeit verursacht wurden und keine reine Privatsache mehr waren. Die Kinderbetreuungskosten wurden "wie" Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt und minderten bei Selbständigen den Gewinn und letztendlich auch die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung. Zurzeit ist noch ein Verfahren beim Bundesfinanzhof anhängig, wo es um die Frage zur alten gesetzlichen Regelung geht, ob nicht 100% statt 2/3 der Kosten als erwerbsbedingt zu berücksichtigen sind. Je nachdem, wie dieses Urteil ausfallen wird, ab 2012 würde es hinfällig, weil sich die gesetzliche Grundlage geändert hat. Aber es gibt Raum für neue Klagen.

 

  • Sonderausgaben (Erstattungsüberhänge bzw. Zuschussüberhänge) werden in dem Jahr, in dem sie zufließen mit den korrespondierenden Ausgaben verrechnet (z.B. Krankenkassenbeiträge). Wenn die Erstattung dann immer noch höher als die Sonderausgaben ist, dann werden sie mit den anderen Sonderausgaben verrechnet.

 

  • Bei einem ruhenden Gewerbebetrieb ist eine Betriebsaufgabe innerhalb von 3 Monaten dem Finanzamt bekannt geben. Das gilt ab sofort.

 

  • Ab 2013 werden die Veranlagungsarten für Eheleute vereinfacht und angepasst. Es gibt keine getrennte Veranlagung mehr. Eheleute können zwischen einer Zusammenveranlagung (Splitting-Tarif) einerseits und zwei Einzelveranlagungen (wie Ledige) wählen. Im Einzelveranlagungsverfahren gibt es dann noch 2 Sondertarife für Verwitwete und für das Trennungsjahr. Verpartnerten Frauen oder Männer steht diese Wahl derzeit noch nicht zur Verfügung. Es sind noch 2 Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig, ob verpartnerten Lesben und Schwulen gleich Eheleuten behandelt werden müssen.

 

  • Ab 2012 gibt es den Kinderfreibetrag und das Kindergeld für volljährige Kinder ohne Einkommensnachweis bis zum Ende der ersten Berufsausbildung unabhängig von einer Erwerbstätigkeit. Danach muss eine weitere Ausbildung und eine "nicht-schädliche" Erwerbstätigkeit (weniger als 20 h/ Woche) nachgewiesen werden. Die Regelungen für Übergangszeiten und ein fehlender Berufsaubildungsplatz gelten unter der Prämisse der nicht-schädlichen Erwerbstätigkeit weiter.

 

  • Für eine verbindliche Auskunft, die Sie beim Finanzamt für unklare Sachverhalte stellen können, entfällt die Gebühr (121 € bis 196 €) bis zu einem Streitwert von 10.000 €.

 

  • Elektronische Rechnungen, die z.B. per Mail, PDF- oder Text-Datei verschickt werden, müssen ab sofort nicht mehr zwingend mit einer elektronischen Signatur versehen sein, um die Vorsteuer abziehen zu dürfen. Die meisten von uns wissen nicht, wie eine elektronische Signatur aussieht und wie man diese aufbewahrt. Es reicht jetzt aus, wenn Sie einen sogenannten "Prüfpfad" zwischen Lieferung und Rechnung herstellen können. Was heißt das? Z.B. eine Kopie des Lieferscheins, des Kaufvertrages, der Bestellung zur Rechnung zu legen. Ob es auch ausreicht, die entsprechenden Belege vorzulegen, bleibt momentan noch offen. Weil der Vorschlag würde bedeuten, jeden Monat eine Kopie des Telekom-Auftrags zur Telekom-Rechnung zu heften.

Es war eine angenehme Vorstellung, eine so unangenehme Tätigkeit, wie die Steuererklärung nur alle 2 Jahre machen zu müssen. Diese Regelung ist nicht zustande gekommen. Aus meiner Sicht eine gute Entscheidung, die in der Praxis wahrscheinlich zu einer Verkomplizierung geführt hätte.

Wussten Sie, dass jedes Bundesland eine eigene Steuersoftware in den Finanzämtern hat? Die Bayern ein anderes als die in Nordrheinwestfalen? Deshalb sieht ein sächsischer Steuerbescheid anders aus als einer aus NRW. Dann können Sie sich vorstellen, dass eine bundeseinheitliche Standardisierung (Vereinfachung?) ein großes Vorhaben ist, das länger dauern könnte. In diesem Sinne bleibt, was bleibt: Die Hoffnung auf Vereinfachung.

Ihre Franziska Bessau
 

Umsatzsteuer – Endlich nicht mehr Kleinunternehmerin…?

- erschienen in: existenzielle, 04/2011 -

Stellen Sie sich vor: Sie haben im letzten Jahr mehr Aufträge gehabt als je zuvor. Sie haben Ihre persönliche Bilanz gezogen, sich über den Erfolg gefreut und wahrscheinlich schon wieder alle Hände voll zu tun. Bevor Sie zum Nachdenken kommen, werden Sie die Belege sortieren und Sie Ihrer Steuerberaterin überreichen. Vielleicht warten Sie auch noch ein wenig oder übernehmen diese Arbeiten selbst.

Mit der Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer hatten Sie bisher nichts zu tun, außer dass Sie sie tagtäglich beim Einkaufen auf den Quittungen und Rechnungen sehen. Wenn Sie Kleinunternehmerin sind, dann sind Ihre Waren und Dienstleistungen zwar im Grunde umsatzsteuerpflichtig, aber Sie verzichten auf die Ausweisung und Abführung der Mehrwertsteuer. Deshalb steht bei Ihnen auf der Rechnung: "Dieser Betrag ist umsatzsteuerfrei nach § 19 UStG".
Das gilt aber nur so lange, wie Ihre unternehmerischen umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen (ohne den Abzug von Kosten) im Vorjahr (also in 2010) unter 17.500 € lagen.

Was sollten Sie tun, wenn Sie Kleinunternehmerin sind?
Am besten ist es, schon im laufenden Jahr gegen Ende alle Einnahmen zusammenzuaddieren. Dann schätzen Sie ab, ob Sie in diesem Jahr unter den 17.500 € bleiben oder ob Sie darüber liegen werden. Bleiben Sie darunter, sind Sie auch im nächsten Jahr Kleinunternehmerin. Klettern Ihre Einnahmen über diese Grenze, dann werden Sie im kommenden Jahr umsatzsteuerpflichtig.

Wenn Sie ihre Einnahmen nicht schon in 2010 geprüft haben, dann tun Sie es jetzt. Waren Ihre Gesamteinnahmen 2010 über 17.500 €?

Dann tun Sie folgendes:
1.) Prüfen Sie, ob für bestimmte Leistungen, die Sie erbringen, eine Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 UStG in Frage kommen könnte. Umsatzsteuerfreie Einnahmen brauchen Sie bei der Ermittlung der Kleinunternehmerinnengrenze nicht zu berücksichtigen! Allerdings sollten Sie vorsichtig sein und tatsächlich prüfen, denn das Finanzamt legt hohe Maßstäbe bei den umsatzsteuerfreien Einnahmen an,
Hier die wichtigsten:
a) Heilbehandlungen nach § 4 Nr. 14a) UStG durch z.B. Ärztinnen, Heilpraktikerinnen, Psychotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen. Leistungen, die keine Heilbehandlungen sind, sind nicht von der Umsatzsteuer befreit. Voraussetzung ist immer, dass Sie einen dieser Berufe ausüben!
b) Pflege und Betreuung kranker und behinderter Menschen aufgrund einer SGB-Vorschrift oder einer Vereinbarung mit einem Sozialhilfeträger. So steht es im Gesetz § 4 Nr. 16 UStG. Berufsbetreuungen nach dem BGB fallen nicht unter diesen Gesetzeswortlaut, aber es ist ein Klageverfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig.
c) Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, die unter das SGB VIII fallen und gegenüber einem Jugendhilfeträger erbracht werden, wenn Sie nicht selbst Träger der freien Jugendhilfe sind (§ 4 Nr. 25 UStG). d) Schulunterricht, Hochschulunterricht und Unterricht, der auf einen Beruf oder eine Prüfung vorbereitet (3 4 Nr. 21 UStG).
2.) Nun ziehen Sie von Ihren Einnahmen die umsatzsteuerfreien Einnahmen ab, sofern Sie welche haben. Überschreiten Sie dann die 17.500-€-Grenze im Vorjahr (also 2010), dann sind Sie 2011 nicht mehr Kleinunternehmerin sondern umsatzsteuerpflichtig.

Das bedeutet, dass Sie 19% Mehrwertsteuer (in der Regel) auf Ihre Einnahmen draufschlagen müssen, die Sie ¼ -jährlich oder monatlich an das Finanzamt mit der Umsatzsteuervoranmeldung melden und zahlen. Im Gegenzug dürfen Sei auch die Mehrwertsteuer, die Sie als Unternehmerin gezahlt haben, davon abziehen. Das ist die Vorsteuer und dieser Vorgang heißt: Vorsteuerabzug.

Wenn Sie erst am Jahresende feststellen, dass Sie umsatzsteuerpflichtig waren, ohne dass Sie es gewusst haben und entsprechend reagieren konnten, dann müssen Sie mit einer Nachzahlung der Umsatzsteuer rechnen, die bei ca. 3.000 € liegen kann. Wenn Sie diesen Posten nicht einkalkuliert haben, kann es finanziell eng werden.

Die Umsatzsteuerpflicht hat zur Konsequenz, dass Ihre Endpreise 19% teurer werden müssten. Aber bleibt nicht dann die Kundschaft aus und sollten Sie nicht lieber die Preise so lassen? Nun, das können Sie auch tun. Sie müssen sich nur darüber im Klaren sein, dass Sie dann die Umsatzsteuer aus Ihrer Tasche zahlen und dies für Sie sehr teuer ist. Bei Gesamteinnahmen von 20.000 € sind das ca. 3.000 € mehr Kosten, die Ihren Gewinn und damit Ihre Einkommen mindern. Üblich ist das in der Regel nicht. In manchen Branchen ist es so, dass die Mehrwertsteuer zu Ihren Lasten geht: z.B. bei den BerufsbetreuerInnen und bei der Verfahrenspflegschaft.
Reden Sie mit Ihrer Kundschaft und teilen Sie Ihnen mit, dass Sie nun Umsatzsteuer zahlen müssen und dass Sie deshalb Ihre Preise erhöhen. Die meisten haben Verständnis dafür.

Die Unternehmerin, die gerade umsatzsteuerpflichtig geworden ist, ist gewinntechnisch weit davon entfernt, Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Dieser Weg dauert länger und deshalb ist es wichtig, den Sprung in die Umsatzsteuer zu gestalten anstatt ihn zu verpassen.

Ihre Franziska Bessau